Wer bin ich – und wenn ja wie viele?*

In den letzten Tagen habe ich häufiger darüber nachgedacht, ob ich einen Blogpost zum Thema Hater, Trolle oder doch lieber über die Idee des „Smilestorm“ verfassen soll.
Ich schwankte zwischen „Man soll Trolle nicht füttern“ und „Muss man wirklich alles stumm hinnehmen?“. Hier sitze ich nun und tippe diese Zeilen – es sieht also ganz so aus, als habe mein Bedürfnis zu Schreiben die Oberhand gewonnen. Aber ich will und werde nicht nur über Trolling schreiben, sondern vor allem über das Leben an sich.

In meinem letzten Beitrag habe ich darüber geschrieben, dass ich der Auffassung bin, dass „vegan for fit“ ein aktueller Trend ist, dem der Löwenanteil der „Jünger“ nicht treu bleiben wird, sobald der nächste Hype am Horizont zu erkennen ist.
Das ist erstens meine (folglich: subjektive) Meinung zu dem ganzen Thema und zweitens heißt das noch lange nicht, dass ich solche Entwicklungen nicht generell positiv finde. Es ist spannend zu beobachten, wie sich in bestimmten gesellschaftlichen Gruppen etwas verändert; wenn auf einmal viele Leute in der eigenen Twitter Timeline oder im Instagram Feed ihr Leben umkrempeln und sich dazu entschließen sportlicher und gesünder zu werden. Eine „vegan for fit“ Bewegung ist gewiss ein positiverer Hype, als zum Beispiel ein Trend zu Mentholzigaretten.
Die Kippen mit Geschmack sind zwar kein aktuelles Beispiel, aber ich gehe davon aus, dass jedem aufmerksamen Leser klar ist, welche Aussage sich hinter dem Vergleich verbirgt.

Obwohl ich nirgends geäußert habe, dass ich gegen Veganismus bin (nochmal: bin ich nicht), sondern lediglich der Auffassung, dass viele Menschen momentan nicht aus tief empfundener Überzeugung „mitmachen“, wurde ich in einem der Kommentare auf persönlicher Ebene angegriffen. Ich zitiere den Kommentar hier nicht, wer nachlesen möchte, kann dies gerne tun. Der Beitrag ist nur einen Mausklick entfernt.
Es geht mir nicht darum, hier eine große Dose „mimimi“ zu öffnen, aber mich hat das Ganze (und eine davon völlig unabhängige Konversation auf Twitter) zum Nachdenken gebracht.

Wie glücklich bin ich?

Wie zufrieden sind wir mit unserem Leben?
Lieben/Mögen wir unseren Job?
Was macht uns wirklich glücklich?

Das sind Fragen, die sich bestimmt jeder von uns bereits mehrfach an verschiedenen Punkten in seinem Leben gestellt hat. Bin ich wirklich glücklich, mit dem was ich mache? Würde ich nicht vielleicht lieber etwas ganz anders machen? Wäre ich gern anders? Wie wäre ich dann gern? Bin ich glücklich? Warum bin ich unglücklich? Warum nervt mich mein Job so sehr?
Nun, ich bin weder Psychologin, noch bei der Lebensberatung tätig und ich habe auch kein Patentrezept für’s Glücklich-Sein. Aber das hier ist mein Blog. Mein eigener virtueller Raum. Ich möchte und werde hier Schreiben, worüber ich Schreiben möchte. Wem das nicht gefällt, dem steht es frei, das Browserfenster zu schließen und nie wieder auf dieser Seite vorbeizuschauen. Nur warum können/wollen das heutzutage so viele Menschen im Internet nicht mehr?

Ich kann immer nur von mir selbst ausgehen (bin ja unglaublicherweise auch nur ein Mensch und die sind nunmal zumeist subjektiv) – ich kann nicht nachvollziehen, warum man sich die Mühe macht, Kommentare zu verfassen, die Autoren/Blogger/Journalisten/wenauchimmer persönlich angreifen, beleidigen und/oder runterziehen sollen.
Wo steckt der Sinn im ganzen Trolling und dem blinden Haten?
Ich kenne keinen Autor, Blogger oder Künstler, der etwas gegen konstruktive Kritik einzuwenden hat. Im Gegenteil: Hat jemand etwas sinnvolles zu bemängeln, dann entstehen oftmals die interessantesten Diskussionen daraus. Aus Kritik kann man lernen, Verbesserungsvorschläge ziehen und rückblickend sind es oftmals die konstruktiven Vorschläge, die einen weitergebracht haben.

Was soll nun aber eine „Kritik“ bewirken, die lediglich beinhaltet, wie blöd man alles findet, aber ansonsten wenig Konstruktives beinhaltet?
Warum verschwendet der Verfasser seine Zeit und seine Energie, um solche Zeilen zu schreiben?
„Du verschwendest doch gerade noch viel mehr Zeit mit dem ganzen Blogpost“, werdet ihr jetzt vielleicht denken. Und ihr habt sogar Recht, was den Zeitaufwand angeht. Aber als verschwendet betrachte ich es nicht, obwohl ich in der letzten Stunde an meinem Roman hätte weiterarbeiten können/sollen/müssen, wenn er jemals fertig werden soll. Allerdings ist das ein sinnloses Unterfangen, wenn mein Kopf nicht frei ist, weil mir die Garstigkeit mancher Menschen darin herumspukt. (Oh ja, jetzt schreibt sie auch noch ein Buch, schon wieder was Neues, das sie bestimmt nicht kann. Alle potenziellen Trolle dürfen an dieser Stelle weiterlesen bis zum Ende des Artikels. Da müsst ihr nun durch.)

Was wollen Hater?

Nun. Was sie genau wollen, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht wollen sie ihrem Ärger Luft machen, vielleicht hatten sie einfach nur einen schlechten Tag oder sie wollen andere Leute runterziehen. Vielleicht sind sie neidisch, vielleicht einfach nur streitfreudig – was sie jedenfalls nicht wollen ist klar: konstruktive Kritik äußern.
Wenn mich ein Beitrag im Netz nicht interessiert oder ich eine Meinung eines Bloggers so gar nicht teilen kann, dann schüttele ich den Kopf und schließe den Webbrowser. As easy as that.
Das ist das Schöne am Internet! Was mir nicht gefällt, das muss ich nicht lesen.
Klar habe ich gesagt, dass mich die vielen „eathealthy“ und „detox“ Bilder auf Instagram und den Blogs nerven – aber mir würde im Traum nicht einfallen, die Leute zu flamen, weil sie posten, was sie posten. Die Blogbeiträge lese ich nicht mehr und die Instagram Bilder überscrolle ich flüchtig. Ich verschwende keine Energie mit sinnlosen Kommentaren, die Poster gehen weiter glücklich ihrer Sache nach – everybody wins.

Mir wurde angekreidet, dass ich zu viele Projekte starte, dass ich zu viele unterschiedliche Dinge ausprobiere und daran glaube, dass ich alles kann und dabei gar nichts drauf habe.
Als ich heute einen Tweet las, der sinngemäß beinhaltete, dass das Schlimme am Arbeiten sei, dass wir uns jeden Tag wünschen, dass diese 8 Stunden unserer Lebenszeit ablaufen, antwortete ich darauf, dass es an der Zeit ist, etwas zu ändern, wenn man das so empfindet.
Eine Reaktion darauf stimmte mich traurig und nachdenklich zugleich, weil mir klar wurde, dass nicht jeder eine optimistische Einstellung zu diesem Thema hat. Veränderungen sind oft beängstigend und selten leicht, aber wenn man den ersten Schritt geschafft hat, dann fällt es einem immer leichter, weiterzugehen. Meistens ist es so, dass es auch gar nicht so sehr auf das Ziel ankommt, sondern auf die Reise dort hin.

Think positive!

Ich bin der festen Überzeugung, dass man immer etwas zum Positiven in seinem Leben verändern kann. Wenn man todunglücklich mit seinem Job ist, hat man die Möglichkeit, sich nach etwas anderem umzusehen. Wenn man nicht zufrieden mit seiner Wohnung ist, steht es einem frei, nach einer anderen zu suchen. Aber bleiben wir doch beim Beispiel Arbeit.
Was bringt einem ein Job, den man so sehr hasst, dass man morgens gar nicht aus dem Bett kriechen mag? Sicher, er bezahlt die Miete, das Essen und alle anderen Rechnungen, aber ist es wirklich das, was wir für unser Seelenheil brauchen?
Ich ahne, was nun einige vielleicht sagen wollen. Man kann doch nicht einfach seinen Job hinschmeißen. Von irgendwas muss man doch leben. Es ist doch nicht so easy peasy, mal eben was Neues zu machen.
Wieder einmal, liebe Skeptiker, habt ihr Recht. Es ist nicht einfach. Und schon gar nicht „mal eben so“. Es geht auch nicht darum, in blindem Aktionismus seinen Job zu kündigen, ohne Plan B. Man sollte schon wissen, wovon man im nächsten Monat (und in Zukunft!) leben möchte.
Aber wenn man wirklich, von ganz tief innen heraus spürt, dass man unglücklich und unzufrieden ist, dann sollte man den Arsch in der Hose haben, etwas zu verändern. Oder man bleibt einfach unglücklich. Auch das ist ein Weg, den man beschreiten kann, keine Frage.

Das bringt mich zu dem Schluss, dass mein Troll in gewisser Weise Recht hat, aber nicht so, wie es wohl ursprünglich gemeint war:
Ja, ich probiere andauernd Neues aus. Ja, einige Projekte stellen sich hinterher als Schnapsidee heraus. Ja, der große Wurf war wirtschaftlich betrachtet bisher nicht dabei, aber mein Troll hat einen entscheidenden Punkt übersehen:
Das ist es nicht, worauf es ankommt.
Es geht nicht um den bedingungslosen Erfolg eines Projektes, wenn man sein Herzblut hineinsteckt.
Es geht um die Reise. Es geht um das Ausprobieren, um das sich-neu-erfinden, darum sich neu zu entdecken, neue Wege zu gehen und seine Fühler einfach mal in ganz andere Richtungen auszustrecken. Es geht um den Spaß und die Freude daran, die gewohnten Trampelpfade im Kopf zu verlassen.

Ob ihr’s glaubt oder nicht: Ich habe einen Job. Also einen Richtigen, so ganz in echt jetzt. Der bezahlt meine Miete, mein Essen und meine Rechnungen. In meinem Hauptberuf bin ich erfolgreich genug, um davon meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.
Die meiste Zeit mache ich meine Arbeit gern. Aber es gibt auch die Tage, an denen ich davon träume, alles hinzuschmeißen, nach Alaska auszuwandern und eine Bar namens „Puzzles“ zu eröffnen (na, wer versteht die Anspielung? ;)).
Aber wisst ihr was? Das ist okay. Solche Phasen hat jeder, niemand kann behaupten, dauerhappy zu sein, ohne zu lügen und ich sitze nicht auf gepackten Koffern (tut mir leid, euch zu enttäuschen!).

Whatever makes you happy

Mein lieber, süßer Troll – es ist an der Zeit „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Ich lasse Dich nun frei, wie man unter Nerds so schön sagt. Und ich bin fast ein wenig wehmütig dabei, denn ich möchte mich ein kleines bisschen bedanken, weil ich durch deinen Kommentar gemerkt habe, dass ich glücklich bin mit dem, was ich mache.

Das Leben ist wunderbar und vor allen Dingen ist es bunt.
Lasst es euch nicht entgehen, euer Glück selbst in die Hand zu nehmen! Wenn euch etwas unglücklich macht, dann setzt alles daran, die Ursache herauszufinden und es zu ändern. Ihr solltet es euch wert sein, dass ihr glücklich seid – der Weg ist das Abenteuer.
Probiert euch aus, verändert euch, verändert euer Leben oder lasst alles genau so, wie es ist – WHATEVER MAKES YOU HAPPY!

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*Der Titel des Beitrages stammt nicht aus meiner Feder, sondern zitiert den Buchtitel „Wer bin ich – und wenn ja wie viele“ von David Precht

5 Gedanken zu „Wer bin ich – und wenn ja wie viele?*

  1. Weise worte :)
    Ich denke es gibt einfach Leute, die es nicht hinkriegen, in ihrem Leben was zu verändern und fühlen sich besser, wenn sie andere schlecht machen. Ich hab eine Frau in der Klasse, die Meisterin darin ist, alles schlecht zu reden, andere anzugreifen, zu kritisieren ohne selbst irgendwas einzubringen. Es macht mich immer mal wieder wahnsinnig aber letztlich tut sie mir irgendwie leid.
    Ich bin definitiv auch nicht dauerhappy und es gelingt auch nicht alles, was ich anpacke. Wär doch aber auch irgendwie langweilig, wenn es so wäre.

    Liebe Grüße

  2. Ein ziemlich guter und sehr ehrlicher Blogpost! Die Fragen, die du dir hier stellst, habe ich mir schon so oft gestellt. Trolle, Hater … why? Aber die Antwört bleibt gleich: keine Ahnung!

    Unzufriedenheit kann man mehr denn je im Internet ausleben, macht alles öffentlich und wenn einem etwas nicht passt, musst es gebashed werden. Schade. Vor allem, wenn es persönlich wird.
    Und ja, ändert das, was euch nervt! (das würde sich gut auf Jutebeuteln machen …)

    Ausprobieren!!! Haters gonna hate anyway …

    Liebe Grüße!

  3. Toller Blogpost, gefällt mir wirklich sehr gut!
    Hater? Keine Ahnung, was bei solchen Menschen falsch läuft? Wahrscheinlich die allgemeine Unzufriedenheit mit sich und ihrem eigenen Leben? Warum man deswegen dann aber gleich noch persönlich und/oder beleidigend werden muss, erschließt sich mir nicht… Die Freiheit der Anonymität im Internet macht es möglich…

    Ich finde es toll, dass Du immer wieder neue Dinge ausprobierst – warum auch nicht??? Ich bin nach wie vor der Ansicht „der Weg ist das Ziel“ ;-)
    Und wer nichts neues ausprobiert, der bleibt doch auf der Stelle stehen – und wer möchte (für sich) schon Stillstand?
    Es gibt sicherlich Dinge, die man im Leben ändern kann und auch sollte – andere Dinge muss man wohl mehr oder weniger hinnehmen.
    Mein Job macht mich beispielsweise nicht (immer) glücklich – aber, ich habe Kinder… Da denke ich in erster Linie an diese – nicht an meine (persönlichen) Wünsche. Vor allem, da ich einen sicheren Job habe.
    Ich bin, persönlich, auch leicht genervt von dem ganzen eathealthy etc. Kram… aber, deswegen verurteile ich niemanden, der diesen Trend für sich entdeckt hat/ausprobiert… Ich handhabe es wie Du – weiterklicken/scrollen.
    Ups… jetzt ist das ganze etwas ausgeufert ;-)
    Liebe Grüße und einen guten Start ins Wochenende
    Anke

  4. WORD!
    Was soll man dazu noch sagen.
    Du triffst den Nagel mit jedem einzelnen Wort auf den Kopf und ich stimme jeder deiner Zeilen zu.
    Ich gehöre übrigens auch zu den Leuten, die viele Projekte laufen haben.
    Finde das auch gar nicht verwerflich.
    Nur wer es wagt eine Idee, einen Traum zu verwirklichen, der weiß doch nachher auch ob es funktioniert.
    Und nur der kann sagen:
    Ich habs versucht.
    WIchtig ist doch nur, dass man mit sich selbst im Reinen ist.
    Was das andere Leute interessiert, verstehe ich auch nicht.
    Was solche Leute überhaupt bewegt, ihren geistigen, beleidigenden Dünnschiss auf andere Leute abzuwerfen.
    Ich bin der festen Überzeugung, dass das an der eigenen Unzufriedenheit, dem Neid und vielleicht auch ein Stück weit an der fehlenden Intelligenz liegt.

    Bleibt du bloß so wie du bist – du bist grandios!

  5. bin grad ziemlich geplättet und dein Beitrag schlägt volle Kanne ein, da es eine böse Auseinandersetzung auf der Straße mit Staatsbediensteten gab.
    Und ich zieh mich jetzt erstmal heulend in mein Bett zurück und kämpf mit dem Troll in mir etwas aus.

    danke
    Tammi

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