Tagebuch Bloggen oder so

I am a writer

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Vor Kurzem surfte ich so durch die endlosen Weiten des Internets und bin dabei irgendwo links abgebogen und über den Blog von Avocado Girl gestolpert.
In vielen ihrer Beiträge finde ich mich beim Lesen wieder und nun diskutiere ich schon seit einigen Tagen mit mir selbst aus, ob ich auch wieder ein bisschen tagebuchbloggen soll.
 

 

Denn wenn wir mal ehrlich sind: Warum lesen wir Blogs?
Ich meine jetzt nicht die Spartenblogs, die ganz klar an ein Thema gebunden sind, wie Food- oder Beautyblogs. Nein, ich meine die ganz „normalen“ Blogs.

Ich für meinen Teil lese die Blogs von anderen Menschen, weil es spannend ist, einen kleinen Einblick in deren Leben zu erhaschen. Und ich bin mir sicher, dass es nicht nur mir so geht.
Zuerst schaut man „nur mal so“ rein und ehe man sich versieht, liest man regelmäßig Artikel über den Alltag von Menschen, die man eigentlich gar nicht kennt, freut sich mit ihnen über positive Erlebnisse, schüttelt den Kopf über Unfassbares oder stellt fest, dass einen die gleichen Fragen umtreiben. Irgendwie hat man das Gefühl, dass diese „Fremden im Internet“ zu guten Bekannten werden, auch wenn klar ist, dass das, was die meisten Blogger im Netz über sich preisgeben nur ein Bruchteil ihres Lebens und ihrer Persönlichkeit ist. Aber das ist okay. Das ist sogar gut und richtig so.

Tja und nun sitze ich hier und starre den blinkenden Cursor an und überlege schon wieder, ob ich den Artikel nicht einfach löschen soll. Einfach das Browserfenster zumachen und das war’s.
Auf der einen Seite habe ich Lust darauf, mich auf meinem Blog einfach ein bisschen auszukotzen, euch ein bisschen mehr teilhaben zu lassen an dem, was bei mir so läuft. Einfach frei drauf losschreiben, ohne groß darüber nachzudenken.
Aber dann schüttelt meine Vernunft mit dem Kopf und sagt: „Du hast doch gar keine Zeit für sowas. Wann willst du denn noch mehr machen? Du schaffst es ja noch nicht einmal regelmäßig für deinen Foodblog zu schreiben. Deine Romanfortsetzung schreibt sich auch nicht von allein. Aber Hauptsache du willst noch mehr bloggen, noch mehr Baustellen aufreißen.“
Meistens nicke ich dann und sage „Ja, Vernunft. Du hast recht. Ich kann mich wirklich nicht vierteilen.“
Und trotzdem sitze ich nun hier und tippe diese Zeilen. Weil ich jemand bin, der das Schreiben liebt. Schon immer.

Oh. Wartet. Die Vernunft ruft mich gerade an, ich muss mal abheben.
„Hi.“
„Ja, ich höre dich. Aber ich will das echt machen.“
„Das weiß ich, aber das ist doch immer so.“

Sie wollte mir nur mitteilen, dass ich damit rechnen muss, dass Tagebuchbeiträge nur wieder Trolle anlocken werden. Und dass ich hinterher nicht sagen soll, sie hätte mich nicht gewarnt.

Tatsächlich habe ich ein paar Mal an die ekligen Kommentare und Mails gedacht, die ich im Laufe meiner „Internetkarriere“ bereits erhalten habe. Hässliche Bemerkungen über meine Meinung, noch hässlichere Kommentare über meinen Roman oder sogar persönlich beleidigende Worte, die mir wildfremde Menschen in mein Postfach gemüllt haben. Obwohl sie mich nicht einmal annähernd kennen – nur den Bruchteil, den sie im Internet wahrnehmen.
In den letzten Jahren hatte ich mich blogtechnisch ziemlich zurückgezogen, weil ich einfach keinen Bock mehr hatte den Trollen Angriffsfläche zu bieten.

Als die Sache mit dem Bloggen noch regelrecht exotisch war, habe ich bereits eine eigene Spielwiese mit Texten gefüllt. Das ist nun über 10 Jahre her und wenn ich mir das so vor Augen führe, fühle ich mich fast ein bisschen alt.
Aber vor allem fühle ich noch etwas anderes: Wenn ich nun hier sitze und schreibe, dann merke ich, dass ich das ein bisschen vermisse. Ein bisschen sehr.
Und wenn ich eines in den letzten Jahren gelernt habe, dann ist es, dass die Trolle immer einen Aufhänger finden um herumzupöbeln. Ich habe nämlich auch schon herablassende Kommentare kassiert, weil mein Blog „so unpersönlich“ ist.

Wie dem auch sei, ich glaube, ich werde in der kommenden Zeit ein bisschen was von meinem Gedankenmüll hier abladen, wenn mir danach ist.
Keine Sorge, ich werde nicht anfangen jeden Tag darüber zu bloggen was ich gegessen habe, wie oft ich auf dem Klo war oder wie gut ich geschlafen habe. Das war noch nie mein Ding und das wird es auch nie werden. Und die Zeit würde mir dazu auch ganz einfach fehlen.
Aber doch. Ich werde mich ab und an einfach darüber auslassen, was mich so beschäftigt, wie gerne ich Bogenschießen lernen würde, wie holprig es gerade mit meinem Manuskript vorangeht und wie anstrengend es ist einen Umzug zu planen.

Ich freue mich, wenn ihr ab und an vorbeischaut und Lust darauf habt, ein bisschen an dem Geschwurbel in meinem Kopf teilzuhaben. Wer haten und trollen möchte: Nur zu. Ich kann euch sowieso nicht davon abhalten. Ich kann euch nur sagen, dass ihr mich auch von nichts abhalten werdet.

XOXO

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