Das Winds of Winter Gate

Ein frohes neues Jahr wünsche ich euch!
Keine Sorge, ich quäle euch mit keinem Beitrag über gute Vorsätze und ich verspreche auch nicht, dass ich dieses Jahr häufiger bloggen will.
Mir ist bewusst, dass ich euch hier ganz schön hängen lasse, aber ohne Prioritäten zu setzen geht es derzeit einfach nicht: Der zweite Teil der „DESTINED“ Reihe will fertig geschrieben werden und einen Zwilling habe ich leider auch nicht, der so freundlich ist meinem Brotjob an meiner Stelle nachzugehen.
Aber ich werde definitiv alles geben, um euch hin und wieder auf dem Laufenden zu halten.

„Schreiben“ ist das Stichwort, das mich zum eigentlichen Thema bringt, das es mir wert ist den Staub von meinem Blog zu pusten:
George R. R. Martin hat auf seinem Blog bekanntgegeben, dass er den sechsten Band seiner „A Song of Ice and Fire“ Reihe nicht wie geplant bis Ende 2015 fertigstellen konnte.
„Winds of Winter“ sollte eigentlich im Frühjahr 2016 erscheinen, noch vor dem Beginn der 6. Staffel der TV-Serie „Game of Thrones“, die an die Buchreihe angelehnt ist – und natürlich habe ich eine Meinung dazu.

Ich hatte die Meldung nur durch Zufall gesehen, weil mir ein Retweet mit dem Link zu einem Newsartikel in die Twitter-Timeline gespült wurde.

Vermutlich deckt sich meine erste Reaktion mit der von tausenden von Fans:

Allerdings habe ich dann nicht nur den Newsartikel, sondern auch Georges Blogbeitrag noch einmal ganz in Ruhe gelesen und musste mir eingestehen, dass ich den Mann verstehen kann.
Er schreibt, dass die Deadline ihn unter Druck gesetzt hat. Dass er langsamer mit seiner Arbeit vorangekommen ist, als er es geplant hatte. Dass er fest davon überzeugt war, dass er sein Manuskript Ende 2015 beim Verlag abliefern kann und sich damit einfach verschätzt hat. Er schreibt, dass niemand enttäuschter ist als er selbst.

Unterm Strich gesteht George R.R. Martin in seinem Post, auf eine brutal ehrliche Art, wie es einer Person ergehen kann, die kreativ etwas (er)schaffen soll:

[…]if truth be told, sometimes the writing goes well and sometimes it doesn’t[…]

Ich denke, dass diese Aussage die Sache auf das Wesentliche herunterbricht – nicht nur im Bezug auf Autoren, sondern auf alle Menschen, die kreative Arbeit leisten sollen/müssen.
Niemand ist eine Maschine und niemand kann arbeiten wie ein Uhrwerk. Jedenfalls nicht über einen unbegrenzt langen Zeitraum.
Manchmal hat man gute Phasen, in denen man unglaublich viele Kilometer zurücklegt und manchmal… ja, manchmal läuft es eben nicht rund. Warum sollte es im kreativen Bereich anders sein als im „normalen“ Leben? Es war schon immer eine Achterbahn und wird es auch immer bleiben.

Klar bin ich auch enttäuscht darüber, dass „Winds of Winter“ nicht vor dem TV-Start der neuen GoT-Staffel erscheinen wird. Wenn man die Bücher gelesen hatte, war man der Serie bislang immer eine Nasenlänge voraus gewesen – die Vorstellung, sich jetzt auf den letzten Metern noch einmal umgewöhnen zu müssen ist im ersten Moment gar nicht cool gewesen.

Allerdings musste ich dann daran denken, dass ich bereits 2003 angefangen habe die Buchreihe zu lesen.
Ich durfte den Komfort genießen, dass bereits drei Bücher erschienen waren, die ich hintereinanderweg lesen konnte. Zwischen Band drei und vier entstand für mich nur eine kurze Wartezeit, allerdings war die „Zwangspause“ zwischen Band vier und fünf auch zu der Zeit schon sehr lang:

A Game of Thrones (1996)
A Clash of Kings (1998)
A Storm of Swords (2000)
A Feast for Crows (2005)
A Dance with Dragons (2011)

Wer Interesse an weiteren Infos hat, kann hier ein bisschen nachlesen – nicht zu empfehlen, wenn man sich nicht spoilern möchte.

2011 war das Jahr, in dem der massentaugliche Hype der Buchreihe anfing, weil HBO die erste Staffel der GoT-Serie an den Start brachte. Aber wie war das eigentlich vorher? Vor dem Hype, der die breite Masse erreicht hatte?
Die Buchreihe wurde in Fantasy-Kreisen zu der Zeit schon lange gefeiert und die Bücher von Martin waren auch schon längst zu Bestsellern geworden. Trotzdem gab es nie einen größeren Aufriss, weil sich das Warten auf den fünften Band in die Länge zog.
Vielleicht habe ich es auch anders wahrgenommen, weil damals das große Shitstormen im Internet noch nicht so sehr in Mode war? Ich weiß es nicht. Ich hatte jedenfalls nicht den Eindruck, dass die Fans eskaliert sind, weil der Buch-Release auf sich warten ließ. Bei umfangreicheren Reihen ist der eingefleischte Fantasyleser es gewohnt, dass es auch mal länger dauern kann.

Einige Stimmen wurden im Internet bereits laut, weshalb Martin sich mit anderen Projekten beschäftigt, wenn er doch seine Buchreihe noch nicht abgeschlossen hat. Wieso er Spin-Offs schreibet, wieso er Preisverleihungen besucht, wieso er am Set von GoT rumhängen muss und noch anderen Dingen nachgeht.
Wenn ich solche Kommentare lese, dann muss ich mich doch schwer wundern. Was erwarten die Leute? Dass Herr Martin sich in einem Kämmerlein ohne Fenster einschließt und erst dann wieder rauskommt, wenn er das Wort „Ende“ unter seine Buchreihe gesetzt hat?
Die Antwort, warum er das alles macht, liegt auf der Hand: Weil es menschlich ist. Weil es jeder von uns tun würde, hätten wir den Erfolg, den er hat. Mal ehrlich: Wer würde nicht gern auf Preisverleihungen gehen, um für seine Werke die Anerkennung zu erhalten, die sie einfach verdient haben? Wer würde nicht gern am Set von GoT herumhängen und andere Gelegenheiten des Lebens wahrnehmen, die sich sonst niemals geboten hätten?

George R. R. Martin is not your bitch

Ein Tweet, den ich dazu gelesen habe, fasst es in einem Satz zusammen:
„Remember that George R. R. Martin is not your bitch.“

Obwohl meine erste Reaktion auch von Enttäuschung und Wut geprägt war, habe ich mir das Recht herausgenommen meine Meinung zu reflektieren und zu revidieren:

Letztlich dauert es so lange wie es dauert. Und wenn Martin Bock drauf hat, kann er meinetwegen auch noch fünf weitere Spin-Offs schreiben oder Trampolin hüpfen. Wenn er noch zehn Korrekturdurchläufe braucht, braucht er die einfach. Und dann kann man auch nicht sagen „Ich brauche so und so lange dafür“. Wenn ich die Kommentare im Netz so lese scheint das für viele schwer nachvollziehbar zu sein, aber jeder, der schon einmal mehr als eine Kurzgeschichte geschrieben hat wird wissen, auf welch unvorhersehbare Schwierigkeiten man während des Schreibens stoßen kann. Manche Plotholes stopft man eben nicht im Vorbeigehen. Ist scheiße, ist aber so.

Wichtig ist am Ende doch nur, dass Martin die ASOIAF-Reihe so beendet, dass er glücklich damit ist. Dann werden seine Leser auch glücklich damit sein, da bin ich mir sicher.

Tja.
Hier sind wir nun: Ohne neues Releasedatum für „Winds of Winter“, der Start der 6. GoT-Staffel steht dennoch im April ins Haus.
The best is yet to come.

Ich freue mich drauf und hoffe inständig, dass George R. R. Martin sein E-Mail Programm aus dem Dock gezogen hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Are you human? * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.